
10. Woche Denali Highway – Denali Nationalpark – Northpole – Kluane Nationalpark
Strecke: 1'890 km - Stimmung: wir vermissen die Sonne
Das Wetter will einfach nicht besser werden. Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass uns unsere Kollegen kontaktieren und sie uns auf dem Denali Highway treffen wollen. Für ein bisschen Abwechslung fahren wir gerne die 200 km. In Amerikanischen Distanzen ein Klacks und zum Denali Nationalpark wollen wir so oder so. Wir treffen sie auf einen Camping. Nach einem improvisierten Nachtessen jassen wir gut schweizerisch. Richtig lustig wird es mit dem Molotow-Jass. Wir kennen das Spiel nicht, aber mit ein bisschen Anfängerglück gehen wir als Gewinner ins Bett.


Unsere Kollegen sind Frühaufsteher, wir leider weniger. Selbstverständlich finden wir einen Kompromiss und fahren am nächsten Morgen pünktlich (ganz schweizerisch 😉) um 08:00 Uhr weiter Richtung Denali Nationalpark. Wir nehmen uns viel Zeit um Fotos von der Landschaft zu machen und versuchen unsere Kollegen für das Wildcampen zu begeistern. Wir finden dann in der Nähe des Nationalparks auch einen passablen Platz. Da uns wie immer die Mücken plagen machen wir es uns im Camper der Kollegen gemütlich. Es wird ein weiterer unvergesslicher lustiger Abend, nur dieses Mal gehen wir als Looser ins Bett.

Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege auch schon wieder. Als kleiner Trostpreis überlassen sie uns noch ein halbes Landbrot, welches wir sehr geniessen. Da das Wetter noch immer nicht sehr berauschend ist, beschliessen wir im Denali Park eine kleine Wanderung zu machen. Wäre ja schade, wenn wir vergebens in den Park gefahren sind. Die Wanderung ist auch ganz schön – aber nicht so speziell, dass wir bleiben möchten. Im Gegenteil, wir sehnen uns endlich wieder nach Sonne. Also beschliessen wir so schnell wie möglich Richtung Kanada, in den Süden zu fahren. Gemäss Wetterbericht erwartet uns da Sonne und warmes Wetter.


Den 4. Juli, den Nationalfeiertrag der USA verbringen wir in North Pole. Das ist eine kleine Stadt direkt neben Fairbanks. Da es in Alaska aktuell nie dunkel wird, gibt es leider kein Feuerwerk. Dafür eine Parade mit Grinch und Samichlaus. Dank des kalten Wetters werden wir an diesem Tag weitgehend von Mücken verschont. Gemäss Aussage der Einheimischen ist die Mücke übrigens der Staatenvogel von Alaska 😊.


Endlich werden wir wieder von Sonne verwöhnt. In Kanada angekommen wird es wieder warm. Nach dem Regenwetter sind wir froh, dass wir die kurzen Hosen auspacken können.


In der Nähe vom Kluane Lake machen wir eine Wanderung und treffen einen Schweizer aus Lausanne der die Panamericana mit dem Velo macht. Wow, das braucht viel Mut so ganz alleine. Mit Velo und Zelt reist es sich nochmals ganz anders als mit dem Auto. Um uns vor Bären zu schützen packen wir jeweils alles ganz easy in unser Auto. Er muss seine Proviante aufhängen und darauf schauen, dass er möglichst weit weg von seinem Zelt kocht und den Abwasch macht damit ihn die Bären im Zelt in Ruhe lassen. Zwei Mal wurde er bereits von Bären überrascht – aber er lebt noch und man gewöhnt sich wohl an alles.

Beim Kathleen Lake gefällt es uns besonders gut, deshalb bleiben wir gleich drei Nächte am selben Ort. Einen Tag lang machen wir einfach mal nichts und chillen am wunderschönen See. Am Abend nehmen wir an einem Bonefire Talk teil und lernen viel über den Kluane Nationalpark. 80% des Parks ist mit Eis bedeckt. Die restlichen 20% sind mehrheitlich Wald (boreal forest oder Taiga) und gilt neben dem Amazonas Regenwald als zweit grösste Lunge der Welt.

Das Wetter bleibt perfekt und wir machen eine Wanderung zum Kings throne summit. Auf halben Weg treffen wir auf Kayla von Halifax. Sie ist alleine unterwegs und nutzt ihre freien Tage um die Gegend zu erkunden. In vier Tagen startet sie als Krankenschwester in einem Jugendcamp der Armee Kanadas. Der Aufstieg wird dank ihrer Gesellschaft ganz kurzweilig und nach etwas mehr als drei Stunden haben wir den Peak erreicht. Ohne uns hätte sie die Wanderung in der Hälfte abgebrochen. Wäre ganz schade gewesen, denn die Aussicht auf den Mount Logan (mit 5'959 m höchster Berg Kanadas) ist selten und wunderschön.


Normalerweise verstecken sich die Berge jeweils unter den Wolken. Was hat uns Kayla wohl nicht verraten? Es ist ihre erste Bergwanderung – der Aufstieg war schwierig, hat aber ganz gut geklappt. Der Abstieg wird dafür umso mühsamer. Bereits nach den ersten Metern wird klar, dass wir ein Problem haben. Es gibt nur zwei Varianten – entweder Kayla bricht sich ein Bein und wird gratis aus dem Nationalpark geflogen (Dieser Service wird nur im Nationalpark geboten) oder wir begleiten Kayla Schritt für Schritt nach unten. Glücklicherweise treffen wir beim Abstieg auf zwei nette ältere Kanadier von Calgary. Sie helfen uns Kayla den Berg wieder hinunterzuführen. Der Abstieg ist wirklich nicht ganz einfach, denn der Berg besteht nur aus Kies, Schotter oder losen Steinen. Damit es noch etwas spannender wird, beginnt es auf halber Strecke auch noch extrem zu winden. Etwa zu vergleichen mit einem extremen Föhnsturm. Kayla bewältigt den Berg also mehrheitlich auf ihrem Allerwertesten. Ihre Hosen sehen nach dem fast sechsstündigen Abstieg gar nicht so schlecht aus – Decathlon sei Dank 😊. Was für ein unvergesslicher Tag. Wer hätte gedacht, dass ein Abstieg so schwierig und lang sein kann.
Merci für die gemeinsame Zeit-das Kennenlernen-Lachen-Spielabende-Essen und Erkeben. Wir wünschen euch eine faszinierende Weiterreise, geniesst das gemeinsame Abenteuer und gute Gesundheit. Bis bald - wir müssen ja noch weiterjassen 😀