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74. Woche Reserva Nacional de Salinas – 34C bei Tincopalca – Titicacasee (Urosinseln)
Strecke: 543 Km - Stimmung: Wer wäre hier nicht angespannt.
Hätten wir eine Tour zum Reserva de Salinas bezahlt, wären wir wohl ziemlich enttäuscht gewesen. Der Rand des Sees ist etwas salzig und weiss, im Wasser stehen einige Flamingos und am Rande grasen ein Paar Vicuñas. Ganz hübsch, aber extra dafür bezahlen würden wir nicht. Die Nacht ist dafür super ruhig und etwas später gesellen sich noch die Walliser neben uns.
Am nächsten Morgen fahren wir ziemlich früh los. Die Fahrt durch das Altiplano der Anden ist wieder wunderschön. Bei einer Kreuzung zeigt uns die rechte Route eine Zeitersparnis von 40 Minuten an. Klar, dass wir den kürzeren Weg nehmen. Da es auch gerade so schön aussieht, lassen wir die Drohne fliegen.
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Als erstes zeigt uns das Display an, dass ein Druckverlust der Pneus nicht angezeigt werden kann. Komische Meldung. Selbstverständlich prüfen wir daraufhin alle Reifen und entdecken nichts. Zehn Minuten später prüfen wir nochmals und alles ist immer noch perfekt. Dann fährt Simone und rutscht in der Kurve weg. Danach poltert es. Wir steigen Beide aus und stellen mit Schrecken fest, dass wir gleich bei beiden Hinterreifen einen Platten haben. Zum Glück können wir den einen Pneu flicken. Der Andere ist aber leider mehr wie dahin. Selbst die Felge kann man nicht mehr gebrauchen. Zum ersten Mal werden wir in Peru zu Abfallsündern. Nach dem Radwechsel lassen wir den Felgen mit dem zerrissenen Pneu einfach liegen.
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Der eingeschlagene Weg soll ja eigentlich kürzer sein – da die Strasse aber immer schlechter wird und wir unseren Pneus nicht trauen, kehren wir um. Dann passiert es. Der gewechselte Reifen hat auch ein Loch das wir nicht mehr reparieren können. Es ist einfach zu gross. Der Alptraum – drei kaputte Pneus innerhalb einer Stunde. Wie kann das passieren. Eine Erklärung haben wir leider keine. Die Strasse ist auch gar nicht so schlecht. Der Druck in den Reifen hat gepasst, schnell sind wir nicht gefahren – hat jemand eine andere Idee? Es hilft alles nichts, wir müssen jemanden organisieren der uns hilft.
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Am Abend versuchen wir via WhatsApp nahegelegene Llanterias zu kontaktieren. Die antworten leider nicht einmal. Taxis gibt es in dieser Gegend leider keine. Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und warten auf vorbeifahrende Autos. Ein Töfffahrer nimmt dann Joos zusammen mit dem Reifen ins nächstgelegene Dorf Tincopalca mit. Drei Llanterias fahren sie an. Leider sind jeweils nur die Frauen vor Ort und die Männer die helfen könnten irgendwo auf dem Feld. Wann sie zurückkommen ist unklar. Der nette Töfffahrer bringt Joos dann wieder zurück.
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Zum Glück haben wir unterdessen auch beim Reisen ein mehr oder weniger grosses Netzwerk aufgebaut. Die Wallisser, die wir am Salzsee getroffen haben, sind bereits in Puno und wollen uns einen neuen Felgen mit entsprechendem Pneu besorgen. Leider ist ein Felgen in der richtigen Grösse mit der richtigen Lochung in Puno nicht zu finden. So kaufen Sie einfach einen billigen Pneu und leihen bei der Werkstatt das entsprechende Werkzeug aus damit wir den Pneu selber wechseln können. Danach fahren sie 2.5 Stunden zurück um uns zu helfen.
Gleichzeitig werden wir von Franzosen kontaktiert die sich auf der selben Route befinden und uns als Taxidienst helfen können.
Es ist gar nicht so einfach einen Pneu von der Felge zu bekommen. Auf dem Youtube Video sieht es bedeutend leichter aus. Erst versuchen wir es mit Schmierseife und Werkzeug, dann mit dem Wagenheber und zu guter Letzt mit purer Gewalt. Josi fährt einmal kurz mit seinem Auto über den Pneu. Nach 2.5 Stunden harter Arbeit ist der neue Pneu endlich dran.
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Am Abend wird es jeweils schnell frisch deshalb geniessen wir den kleinen Apéro im Bus unserer Retter. Plötzlich klopft es an der Tür - die Franzosen sind eingetroffen. Auch sie hatten einen Platten und haben es mit Ersatzrad knapp zu uns geschafft. Das Ersatzrad und die restlichen Pneus sehen bei Ihnen auch sehr mitgenommen aus. Da wir niemanden zurücklassen wollen, fahren wir im Convoi zur nächstgrösseren Stadt Puno.
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In Puno warten schon unsere neuen Reifen auf uns. Diese haben unsere Deutschen Freunde von Cusco mitgenommen. Gute Pneus gibt es in der kleinen Stadt Puno nämlich auch nicht. Alles in Allem haben wir Glück im Unglück so tolle Freunde zu haben. 😊
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Titicaca wird korrekt Titikaka ausgesprochen, ist Aymara und heisst übersetzt: Titi = Puma / kaka = grau so soll der See die Form eines Puma Kopfes haben. Aber dazu braucht man wirklich eine überirdische Vorstellungskraft. So einfach sieht man dies nicht. Wie auch immer, wenn man beim Titicaca See ist muss man fast zu den Uros Inseln. Obwohl wir uns auch diesen Ausflug sehr gut überlegen, da es doch sehr touristisch ist und man sich bei der Besichtigung etwas wie im Zoo vorkommt. Da der Ausflug sehr billig ist, entscheiden wir uns diesen trotzdem zu machen. Eine Bootsfahrt auf dem See kann ja auch nicht so schlecht sein. Auf der iOverlander App finden wir dann auch eine Privattour mit Yourdi und Mama Rosa.
Wir werden noch von den Deutschen und einem Texanischen Motorradfahrer begleitet. Wir sind uns nicht sicher ob die Indigenen wirklich auf den schwimmenden Inseln leben oder ob es heutzutage alles Show für die Touristen ist. Selbstverständlich gibt es bei der Tour die obligate Verkaufsshow. Da Ramón keinen Platz für sperrige Souvenirs bietet, unterstützen wir die Gemeinschaft indem wir bei Ihnen im Restaurant essen. Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung.
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Uns wird erzählt wie sie die Inseln aufgebaut haben und diese wöchentlich in Stand gehalten werden müssen. Wenn man die Inseln nicht wöchentlich mit neuem Seeschilff füttert, verrotten diese und schwimmen logischerweise nicht mehr.
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Uns wird auch gezeigt wo sie schlafen und wo die Kinder zur Schule gehen. Am Schluss bekommen wir noch ein kleines Boot geschenkt das wir im Auto aufhängen können.
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Wir übernachten auf einer Wiese die zu einem 4-Sterne Hotel gehört. Ein Deutscher Gast sieht uns und lädt uns ganz spontan im Hotelrestaurant zum Abendessen ein. Wow, das ist ja super nett 😊.
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Mit Peru haben wir langsam abgeschlossen. Weiter geht’s nach Bolivien. Der Grenzübergang ist mehr oder weniger unkompliziert. Einzig die Polizei stellt sich schwierig an. Sie verlangen von uns das Pannendreieck, die Apotheke und den Feuerlöscher. Einen Feuerlöscher haben wir keinen dabei. Simone meint, dass wir dafür ganz viel Wasser dabei haben. Das hat ja einen ähnlichen Effekt. 4 Polizisten finden es lustig, der Hauptverantwortliche leider weniger. Sie lassen uns dann aber trotzdem über die Grenze.
Die Nacht verbringen wir ganz alleine an einem wunderschönen Platz in der Nähe von Copacabana am Titicacasee.
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