75. Woche La Paz (Bolivien) – Death Road – La Paz

75. Woche La Paz (Bolivien) – Death Road – La Paz

Montag, Oktober 14, 2024

Strecke: 563 Km Stimmung: Stadtfeeling

Die Stadt La Paz ist einfach riesig und sehr hügelig. Unsere erste Nacht verbringen wir auf dem Flughafenparkplatz in El Alto.  Auf 4’100m günstig, erstaunlich ruhig und gut bewacht.

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Cholitas werden die indigenen Bolivianerinnen genannt die sich nach einer in den 1920er Jahren aus Europa nach Südamerika importierten Mode mit ursprünglich für Männer entworfenen Hüten kleiden. In Bolivien gibt es fast keine Supermärkte. Alles wird auf dem Markt gekauft. Dies weil die Bolivianer die persönlichen Kontakte schätzen. Diese hat man in einem Supermarkt nicht. Meistens kauft man seine Waren immer bei derselben Cholita. Wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat wird sie zur persönliche Casera mit der man auch seine Probleme bespricht. Aber Achtung, Caseras tratschen gerne deshalb muss man acht geben was man genau erzählen möchte. Wenn du mal das Vertrauen einer Casera gewonnen hast erhältst du von ihr "Yapa" - das sind Extras beim Shopping. 

Die weissen Kartoffeln heissen Tunta und sind gefriergetrocknet. Sie können an kühlen Orten über 20 Jahre gelagert werden ohne die Nährstoffe zu verlieren. 

Wir sind Fans von Free Walking Tours da man einfach sehr viel über den Ort erfährt. Die Kultur in La Paz ist doch sehr anderes wie wir es anderswo erlebt haben. Schamane gibt es ja in allen Südamerikanischen Ländern aber hier läuft es irgendwie anders. Erst besucht man einen Schamanen in El Alto.

Je nach Problem das man lösen möchte, sagt einem der Shamane dann was man auf dem Mercado de Brujas (Hexenmarkt) kaufen muss, damit dieser das passende Ritual durchführen kann. Bei einem Hausbau zum Beispiel kauft man je nach Grösse des Hauses einen Embryo eines Lamas oder ein totes Lama Baby.

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Das wird dann vom Schamanen der Mutter Erde zurückgegeben und kopfüber ins Fundament des Hauses betoniert. Immer kopfüber damit die Seele nicht entweicht. Bei ganz grossen Häusern reichen Baby Lamas nicht mehr aus. Da werden auch schon mal Obdachlose von der Strasse geholt. Also erstes Gebot in La Paz – niemals die Kontrolle über sich selbst verlieren sonst landet man allenfalls in einem Fundament eines Hauses  - kopfüber, wohlvermerkt.

Das San Pedro Gefängnis ist eines der verrücktesten und härtesten Gefängnisse der Welt. Eigentlich ist es eine Untersuchungshaft. Alle Inhaftierten sind nämlich noch nicht verurteilt und hatten noch keinen Prozess. In Bolivien läuft das ganze umgekehrt  wie bei uns in der Schweiz ab. In diesem Gefängnis ist man schuldig, bis man seine Unschuld bewiesen hat. Hilfe um seine Unschuld zu beweisen, erhält man selbstverständlich keine. Kein Wärter möchte dieses gefährliche Gefängnis betreten, deshalb wird das Gefängnis nur von aussen bewacht. Im Gefängnis machen die Insassen ihre eigenen Regeln. Das absurdeste am Ganzen? Die Zelle innerhalb des Gefängnisses sowie das Essen und seinen gesamten Unterhalt, muss der Gefängnisinsasse selbst bezahlen. Deshalb wohnt meist seine gesamte Familie da – zwei Wohnungen können sie sich nur sehr selten leisten. Die Kinder und die Ehefrauen der Insassen dürfen das Gefängnis zwei Mal pro Tag verlassen oder betreten.

Das ist die Schule der Kinder neben dem Gefängnis

Damit sie ihre Zelle und den Unterhalt bezahlen können, müssen alle Insassen selbstverständlich arbeiten. So hat es innerhalb des Gefängnisses Restaurants und Läden die von den Insassen betrieben werden. Das grösste Geschäft ist aber die Herstellung von Koks – das reinste und hochwertigste Koks der Welt. Manch einer fragt sich vielleicht wie das Koks aus dem Gefängnis herausgeschmuggelt wird. Ganz einfach, das Koks wird meist in gebrauchten Windeln verpackt über das marode Dach in den nahgelegenen Park geworfen. Zweite wichtige Regel in La Paz: Nie etwas vom Boden aufheben – es könnte gefährlich werden. Insbesondere in der Nähe des Gefängnisses San Pedro.

Das San Pedro Gefängnis war früher ein Kloster für Nonnen und wurde erst später in ein Gefängnis umfunktioniert. Erst war es für 400 Insassen gedacht. Aktuell wohnen zirka 3'000 Insassen im 1’000m2 grossen Gefängnis. Die Familien sind hier noch nicht miteinberechnet.

Da La Paz sehr weitläufig ist und teils einige Höhenmeter überwunden werden müssen, gibt es seit einigen Jahren neun Seilbahnen die alle Stadtteile miteinander verbinden. Die Seilbahn wird von Doppelmayer und CWA betrieben, auch der jährliche Unterhalt wird von den Österreichern gemacht. Die Seilbahn ist wirklich super und bringt uns mega schnell von A nach B. Ausserdem ist es extrem günstig. Eine einzelne Fahrt kostet 30 Rappen pro Person. Auch während der Stosszeiten ist alles top organisiert. Hut ab La Paz, das hätten wir nicht erwartet.

Als Ausländer ist es extrem schwierig Diesel zu kaufen. Deshalb überlegen wir jeweils zwei Mal ob wir mit dem Auto irgendwo hinfahren oder allenfalls besser die Seilbahn oder ein anderes Verkehrsmittel nehmen. Von der Death Road haben wir bereits vor unserer Reise viel gelesen. Da wollen wir unbedingt entlang fahren.

Die Strasse soll sehr eng  und der Abhang extrem steil sein. Früher gab es viel Unfälle da auch die Lastwagen der Strasse entlang fahren mussten und vor allem in der Regenzeit teils ungebremst den Abhang abgerutscht sind. Heutzutage ist die Death Road nicht mehr so spektakulär. Die Lastwagen fahren nicht mehr auf dieser Strasse, nur noch PW’s und Fahrräder sind erlaubt.

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Wir buchen in La Paz eine Tour und fahren die 60 Km lange Strasse mit dem Mountainbike hinab. Die Strecke ist nicht extrem anspruchsvoll, doch Spass macht es trotzdem. Seien wir mal ehrlich, in der Schweiz haben wir nie die Möglichkeit  einfach mal 3'700 Höhenmeter runterzufahren.

Nicht alle Strassen in Bolivien sind geteert. Deshalb möchten wir unbedingt wieder ein Ersatzrad. Allerdings ist es sehr schwierig eine Felge mit unseren Massen zu finden. Meistens stimmt die Lochung nicht. Mit der Seilbahn schweben wir auf die andere Seite der Stadt. Das Gute in Südamerika: Meistens gibt es eine Strasse an der überall das Gleiche verkauft wird. Wir laufen also von Laden zu Laden und präsentieren unser Muster. Wir haben schon fast aufgegeben doch beim zweitletzten Laden haben wir Glück und finden endlich eine neue passende Felge. Jetzt wo wir die Felge haben, werden wir wohl nie mehr einen Platten haben. Nochmals in der Pampa stehenzubleiben, darauf haben wir gar keine Lust.

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Von La Paz nach Sucre fahren wir fast neun Stunden. Die Strasse ist eigentlich makellos und doch kommt man in den Bergen nur langsam vorwärts. Da wir den Geburtstag von Simone nicht im Auto verbringen möchten, fahren wir ausnahmsweise auch im Dunkeln.

Sucre ist eine der schönsten Städte die wir bis jetzt  in Südamerika gesehen haben. Im Gegensatz zu den Städten in Peru sind die Gebäude gepflegt und intakt.

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Im Park von Sucre lernen wir Angel, einen sehr aufgestellten jungen Mann kennen. Er gibt uns gleich Tipps was wir in seiner Stadt alles anschauen müssen. Angel hatte vor drei Jahren einen Töffunfall und sein Bein gebrochen. In Peru konnte er sein Bein operieren lassen und hat dann zur Heilung ein Gestell erhalten das in seinem Bein mit Stangen verschraubt ist. Sein Problem ist jetzt, dass er nicht das nötige Kleingeld besitzt um das Gestell wieder zu entfernen. Gemäss seiner Einschätzung braucht er noch ungefähr ein Jahr bis er dieses loswird. Das obwohl er jeden Tag im Spital arbeitet und sogar versichert ist. Die Versicherung übernimmt einfach keine Kosten von Motorradunfällen. Eigentlich paradox, denn wenn sich ein Bolivianer ein Fahrzeug leisten kann, dann wohl am ehesten ein Motorrad.

Am Abend leisten wir uns zur Feier des Tages einen Siebengänger. Uns wurde immer gesagt, die Bolivianer können nicht kochen. Das ist oftmals wohl leider korrekt. Doch dieses Menu war wirklich super fein. Zusammen mit dem Wein haben wir unschlagbare CHF 12.- pro Person bezahlt. Krass, oder?

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